Einen festen Proberaum haben wir nicht, aber unsere Ausrüstung ist mobil und leicht zu transportieren, daher ist das auch nicht nötig.

Als Hardware benutzen wir einen Tascam DP008; ein kleines transportables 8-Kanal-Gerät.

dp-008 small  dp-008 top small  dp-008 rear small

Betrieben wird der Tascam entweder mit 4 AA-Akkus - oder mit einem Netzteil - und als Speichermedium verwendet er herkömmliche SD-Cards. Man kann damit auch die einzelnen Tracks editieren, aber das geht am PC natürlich wesentlich bequemer. Daher ist der Tascam mittlerweile bei uns reine Aufnahme-Hardware. Wenn man ein Stereo-Playback verwendet hat man für den Gesang noch 6 Spuren frei, so daß man ausreichend Platz für Experimente hat. Zudem lassen sich über die Punch-Option mißlungene Passagen auch recht einfach ausbügeln.

Anfangs haben wir damit auch abgemischt, aber da als Effekt "nur" Hall zur Verfügung steht (und ein Dreiband-Equalizer) war das schon bald nicht mehr genug. Jetzt exportiere ich die einzelnen Tracks als Wave-Datei auf den PC, wo ich sie mit der entsprechenden Software (siehe nächstes Kapitel) weiter bearbeiten kann. Das mache ich natürlich nur an Kopien der Dateien, so daß ich im Bedarfsfall jederzeit auch wieder einzelne Tracks zurücksetzen kann.

 

MilleniumHA4_small Monitorboxen können wir nicht verwenden, daher nehmen wir Kopfhörer (Sennheiser, Philips, Superlux und ich nutze meine In-Ears "Klipsch image s4i", weil die den besten Klang haben. Noch besser als mein AKG 141(!!!)).
Wichtig ist dabei, daß die Kopfhörer ein geschlossenes System haben und nicht nur auf dem Ohr aufliegen sonder es komplett umschließen, sonst hört man die Playbacks auch auf der reinen Gesangsspur.

Nachdem wir uns erst mit einem 'Kabelbäumchen' an der einzigen 3.5mm Klinkenbuchse des Tascam beholfen haben nutzen wir jetzt einen Extra-Kopfhörerverstärker, den 'Millenium HA4'.
Er kriegt sein Signal über den Line-Ausgang des Tascam und verstärkt das für bis zu 4 Kopfhörer, von denen jeder seine eigene Lautstärkeregelung hat. Und das klappt hervorragend.

 

.Shure_PG58_smallAls Mikro hatten wir zunächst ein Shure PG 58. Das hat wirklich einen sehr schönen Klang, ist als dynamisches Mikro aber eher für die Bühne geeignet. Außerdem war es am Tascam ziemlich leise, wodurch wir den Gesangskanal fast immer zu 100% aussteuern mussten. Das hat natürlich zu Rauschen geführt, das dann später wieder entfernt werden mußte.

ArtTubeMP_smallDa war dann eh klar, daß wir einen Preamp (Mikrofonvorverstärker) brauchen. Entschieden haben wir uns für den ArtTube MP, einen einfachen Vorverstärker mit Phasenumkehr, Phantomspeisung und Eingängen für XLR-Kabel. Das Signal geht dann vom Mikro in den Preamp, wird dort hinsichtlich Eingangsempfindlichkeit und Ausgangslautstärke geregelt und geht dann in den Tascam. Seitdem ist das Signal deutlich lauter und rauscht auch nicht mehr so stark. Und weniger Nachbearbeitung bedeutet auch höhere Qualität (weil bei der Nachbearbeitung immer ein paar Frequenzbereiche auf der Strecke bleiben).

tbonesc1100_smallDa im Tonstudio keiner ernsthaft mit einem dynamischen Mikro arbeitet wollte ich dann auch ein Großmembran-Kondensatormikrofon und habe mich da für das 'T.Bone SC1100' entschieden, weil es im Internet durchweg sehr gute Rezensionen hatte. Und ich muß sagen es hat sich gelohnt!{#emotions_dlg.super}

Die Spinne und der Transportkoffer waren direkt im Lieferumfang enthalten und es klingt viel klarer als das dynamische Shure PG 58.

Das T.Bone hat eine umschaltbare Richtcharakteristik (8, Niere oder Kugel; wobei wir natürlich die Niere nutzen) und einen Low-Cut Schalter um Trittschall zu dämpfen, bzw. dem Nahbesprechungseffekt vorzubeugen (was wir aber in der Regel nicht brauchen)

Als Mikrofonständer für das T.Bone kommt ein K&M 260-1 zum Zuge, weil das durch seinen Gußeisernen Teller von 3,6kg ziemlich sicher steht. Zusammen mit dem Poppschutz und dem Notenständer (für die Texte) sieht das dann so aus:

Mikro_small

Zum besseren Transport (und damit auch alles schön für den Transport geschützt ist) haben wir eine gepolsterte Stativtasche, sowie je einen Alu-Koffer für Mikro und Spinne und für den Rest der Technik.

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Mittlerweile ist unsere Technik auch etwas umfangreicher geworden. Neben dem Tascam ist als weiteres Kernstück ein Rack mit Preamp, Kompressor und Kopfhörerverstärker hinzugekommen. Die kleinen Geräte brauchen wir jetzt eigentlich nicht mehr, aber weil deren Klang wirklich gut ist werden wir sie als Fallback behalten. (Falls mal eins der großen Geräte ausfällt)

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(Hier nochmal ein Bild in Originalgröße)

Die Komponenten dabei von oben nach unten:

  • Behringer HA4700 Powerplay Pro-XL (4-Kanal Kopfhörer-Verstärker)

  • dbx 266 XS (2-Kanal Kompressor/Gate)
  • Behringer MIC2200 Ultragain Pro (2-Kanal Preamp)

  • Adam Hall 87471 (Stromverteiler)

Das Ganze eingebaut in ein Thon Rack 4HE Live. Der Vorteil: man kann es kompakt transportieren, alle Regler sind gut geschützt und hinten im Rack hat noch die komplette Verkablung Platz (wie man auf dem rechten Bild sehen kann).

Und wozu dient der ganze Krempel?

In erster Linie um den Klang bei der Aufnahme weiter zu verbessern, aber auch um komfortabler damit arbeiten zu können.
Kopfhörerverstärker: damit bringen wir den Klang vom Tascam (also den Mix aus Playbackspur und Mikrofonspuren) auf die Kopfhörer der Solisten und des Aufnametechnikers, bzw. im Studio auch in den Verstärker und somit auf die Monitorboxen. Jeder der 4 Kanäle hat eine eigene Klang- und Lautstärkeregelung, sowie 3 Kopfhörerausgänge. Es kann sich also jeder das Klangbild einpegeln, mit dem er/sie am besten zurechtkommt. Und wir können bis zu 12 Kopfhörer gleichzeitig anschließen. Der Tascam selber hat nur eine Ausgangsbuchse für 3,5mm Klinkenstecker...

Preamp (Mikrofonvorverstärker): Damit kann man dem Kondensatormikrofon zum Einen die nötigen 48V Phantomspeisung liefern, quasi der Stromanschluß für das Mikro. Zum Anderen kann man damit die Empfindlichkeit des Mikros einstellen und dessen Output verstärken. Man muß dann am Tascam die Regler nicht so weit hochziehen und hat weniger Rauschen auf der Spur. Bei lauteren Stücken dreht man die Empfindlichkeit etwas niedriger, bei leisen etwas höher. So kann man das Ganze optimal an die Situation vor dem Mikro anpassen. Unser Preamp hat auch noch einen parametrischen Equalizer, aber den brauchen wir nicht. Die endgültige Abmischung erfolgt ja am PC und da hab ich das Signal gern so neutral wie möglich. Es klingt immer besser, wenn man z.B. die Bassfrequenzen nachträglich anhebt, als wenn man sie nachträglich absenkt (ist jedenfalls mein Empfinden). Ich regel damit also nur Eingangsempfindlickeit (Mic Gain) und Ausgangslautstärke (Output).

Kompressor/Gate: Für unsere Solistinnen (insbesondere Moni) ist ein Kompressor unverzichtbar. Er komprimiert das vorhandene Signal, so daß die Unterschiede zwischen leisester und lautester Passage geringer werden, die Stimme aber trotzdem nicht an Kraft und Ausdruck verliert. Ohne das Gesangssignal zu komprimieren ist es kaum möglich, eine gute Abmischung hinzubekommen. Entweder sind dann die leisen Passagen laut genug, dafür ist es dann aber an den lauten Stellen völlig übersteuert (und 'klirrt') oder die lauten Stellen sind nicht übersteuert, dafür ist aber der Gesamtmix zu leise.
Der Kompressor ist da so eine Art elektronisch-akustisches Bügeleisen: er glättet den Dynamikverlauf, indem er ab einem einstellbaren Schwellenwert (dem Treshold) anspringt und nur noch einen Teil durchlässt (dem Ratio). Bei einem Ratio von z.B. 3:1 werden statt 3 db nur noch 1 db durchgelassen (bzw. 2 statt 6, 3 statt 9 usw.). Weitere Einstellgrößen hierbei sind Attack (Zeit in Millisekunden, ab wann die Kompression beginnt) und Release (Zeit in Millisekunden, ab wann die Kompression wieder beendet wird). Der dbx bietet hierfür einen Automatikschalter, der Attack/Release je nach Situation selber steuert, aber mit ein bißchen ausprobieren kann man das auch selber nach Gehör einstellen; ist gar nicht sooo schwierig. Speziell beim dbx kann man die Regler als Ausgangsbasis einfach in 12 Uhr Position bringen und braucht dann nur bei Bedarf ein bißchen Feintuning.
Der Vorteil eines Hardwarekompressors (meine Software bietet auch eine Möglichkeit zur Komprimierung) ist ein besserer Klang und ein stressfreieres Arbeiten an der Endabmischung.

Zusätzlich ist auch noch ein neuer Studio-Kopfhörer hinzugekommen, der Beyerdynamic DT770 Pro (250 Ohm).

Er hat ein geschlossenes System, umschließt die Ohren vollständig, schirmt gut ab und durch die Velourpolster sitzt er sehr angenehm und schweißfrei (Plastik/Kunstleder bringt die Haut recht schnell zum Schwitzen). Er hat einen Wahnsinns-Frequenzgang (5-35.000Hz), ist diffusfeldentzerrt und klingt sehr neutral. Lediglich die Höhen sind für meinen Geschmack einen Tacken überbetont. Für Gesangsaufnahmen trägt er sich sehr angenehm und man hört so gut wie nichts aus dem Kopfhörer auf der Mikrofonspur (wie es bei offenen/halboffenen Systemen schnell passieren kann).

Beyerdynamic_DT_770_Pro_small

Auch bei der Abmischung ist er mir eine große Hilfe. Ich kann damit zwar nicht den Klang einstellen (weil das Signal meiner Soundkarte (Speedlink Vigo USB) zu schwach für die 250 Ohm ist), aber weil er sehr fein auflöst und sehr präzise ist kann ich zum einen die Soundfeld-Einstellungen sehr genau vornehmen und höre zum anderen jedes noch so kleine Störgeräusch (was mit anderen Kopfhörern nicht oder nur schwer zu hören ist).
Ich hab auch die 80 Ohm Version ausprobiert. Die kam mit dem Signal meiner Soundkarte etwas besser zurecht, lieferte mehr Bässe, aber der Gewinn an Lautstärke war nur minimal, dafür klang er aber nicht so präzise wie die 250 Ohm Variante.

Ich hab auch noch einen 20 Jahre alten AKG 141 (also das Originalmodell), aber der kann es mit dem DT770 auch nicht aufnehmen.